Wie jetzt? Gestern noch „Facebook ist kaputt“ und heute doch nicht mehr? Es kommt immer darauf an, aus wessen Sicht man das sieht. Für die Nutzer und die Seitenbetreiber bei Facebook sieht es natürlich so aus, als wäre der Newsfeed kaputt. Aus Sicht von Facebook funktioniert der aber immer besser und sie werden ihn weiter „kaputt machen“.

Seitenbetreiber erreichen ihre Fans nicht mehr ohne dafür zu bezahlen, User sehen in ihrem Newsfeed alles mögliche, aber immer seltener noch das, was sie wirklich interessiert – wenn das nicht kaputt ist, was dann?

Es ist die Geschäftsgrundlage von Facebook:

Your brand can fully benefit from having fans when most of your ads show social context, which increases advertising effectiveness and efficiency. We expect organic distribution of an individual page’s posts to gradually decline over time as we continually work to make sure people have a meaningful experience on the site. We’re getting to a place where because more people are sharing more things, the best way to get your stuff seen if you’re a business is to pay for it.

Um es mal zu erklären: Früher hat man versucht für die eigene Seite Fans zu gewinnen, um diese Fans dann auch mit den eigenen Beiträgen zu erreichen. Damit hat Facebook aber kein Geld verdient, also hat Facebook die organische Reichweite von Seiten immer weiter reduziert, also die Zahl der Menschen, die man mit einem Beitrag erreicht ohne dafür an Facebook zu zahlen (wie es mit dieser Reichweite aussieht habe ich gestern kurz beschrieben). Dadurch sind die Fans einer Seite zu reinem „Promotionmaterial“ reduziert worden. Material für Anzeigen, die der Seitenbetreiber schalten soll.

Das muss man sich (und vielleicht auch seinen Kunden) klar machen: Fans einer Seite sind kaum noch die Zielgruppe der Beiträge einer Seite. Wenn es nach Facebook geht (und auf facebook.com geht es nach Facebook), dann sammelt ein Seitenbetreiber die Fans nicht mehr, um sie mit den Seitenbeiträgen anzusprechen, sondern um genügen „Material“ für „soziale Anzeigen“ zu haben. Das sind diese Anzeigen, bei denen drunter steht, dass dieser oder jener Deiner „Freunde“ schon Fan einer Seite ist.

Und das bestreitet Facebook gar nicht, die Formulierung ist etwas netter, aber man kann das natürlich in deutliche Worte übersetzen:

Wenn Du willst, dass Deine Beiträge jemand sieht, dann zahl gefälligst dafür!

Und da sind wir wieder bei den Gatekeepern, die es doch eigentlich im Internet gar nicht geben sollte, aber wir haben diese Gatekeeper geschaffen (wir haben das Internet kaputt gemacht) und jetzt müssen wir schauen, wie wir damit umgehen.

Auf der einen Seite stellt sich natürlich die kurzfristige  Frage, wie man diese Beschränkungen von Facebook umgehen und seine Beiträge ohne die Zahlung von Schutzgeld das Buchen von Anzeigen an die Fans bringt – viel wichtiger ist doch aber die Frage, wie wir langfristig das Internet wieder reparieren. Es geht ja nicht nur um die Gatekeeper-Funktion, die wir Facebook, Google, Apple und Amazon (Aufzählung nicht vollständig) durch unser Nutzungsverhalten gegeben haben, wir haben es auch ermöglicht, dass wir vergleichsweise einfach abzuhören und zu kontrollieren sind.