Wenn Blicke töten könnten

Manchmal frage ich mich, wie ich früher Bahnfahrten ohne meine Böse-Kopfhörer überstanden habe (und ja, es ist mir egal, dass auch Bose weiß, was ich so an Musik höre). Dann fällt es mir ein: Ich habe einfach so laut aufgedreht, dass jedes andere Geräusch übertönt wurde. Nicht gesund für die Ohren, aber besser für die Nerven. Hauptsache so manches Geschrei bleibt mir erspart.

Jetzt fehlt mir nur noch etwas entsprechendes für meine Brille, damit ich nicht mehr mitbekomme, wenn mich Mitreisende am liebsten töten würden, weil ich unbeabsichtigt für einen ziemlichen Krach im Zug verantwortlich bin.

Kleine Kinder. Wer hätte gedacht, wie laut die werden können, wenn sie jemandem im Zug gemütlich ein paar Kekse essen sehen? Kurz: Sehr, sehr laut. Und das auch noch ziemlich ausdauernd. Die Begeisterung über so viel Ausdauer fiel bei meinen Mitreisenden aber eher klein aus. Ich habe von dem Geschrei ja nichts mitbekommen, aber als ich bemerkte, dass mich mehrere Menschen um mich herum anstarrten, als hätte ich sie gerade allesamt zutiefst beleidigt, habe ich mal kurz die Kopfhörer ausgeschaltet, um zu lauschen, was denn in der Aussenwelt so vor sich geht…

Die Situation stellte sich nun also wie folgt dar: Mein gemütliches Knabbern hat zwei kleine Kinder daran erinnert, dass sie plötzlich gewaltigen Hunger hätten. Aber offensichtlich weder auf die Bananen noch auf die Knoppers, die ihre Erziehungsberechtigten dabei hatten, sondern ausdrücklich und ausschließlich auf Kekse. Wer hat die nur auf die Idee gebracht?

So haben die beiden also den halben Zug zusammen gebrüllt, während ich gemütlich meine Mails aufgearbeitet und Musik gehört habe. Und natürlich meine Kekse geknabbert habe. Als ich dann des Dramas um mich herum gewahr wurde, war es leider zu spät, die Situation durch Verschenken einiger Kekse zu befrieden – es waren keine mehr da. Aber meine Mitreisenden hassten mich. Sehr. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre von mir nicht viel übrig.

Da die Kurzen immer noch lautstark nach Keksen plärrten, die Erziehungsberechtigten aussahen, als würden sie entweder gleich in Tränen ausbrechen oder eine kurze Auszeit von der gewaltfreien Erziehung nehmen, habe ich lieber schnell wieder die Musik eingeschaltet und mich auf das Schreiben dieses Blogbeitrags konzentriert. Nicht mehr lange, dann steige ich um. Falls ich es lebend bis Mannheim schaffe…

Beitragsbild: hpgruesen via Pixabay, Lizenz: CC0