Sie sind echt überall

Sie sind echt überall

Nein, es ist kein Vergleich zu der Kommentarflut von rechten Klappspaten, der bei Frei.Wild nach deren deutlicher Absage an Rassismus nieder ging, aber dass es überhaupt solche Kommentare gab hat mich dann doch erschreckt.

Man sollte doch meinen, dass es keinen großartigen Kommentar wert ist, wenn auf der Facebook-Seite von J.B.O. das Video #NippelStattNazis der heute show geteilt wird, in dem sich Gernot Hassknecht über die seltsamen Moralvorstellungen von Facebook auslässt, die schon beim Verdacht der Darstellung eines nackten weiblichen Nippels eine sofortige Löschung erfordern, aber bei Hasskommentaren, rassistischer Hetze und selbst Aufrufen zu Gewalt und Mord regelmäßig keinen Verstoß gegen die „Gemeinschaftsstandards“ erkennen wollen.

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Und selbst bei J.B.O. finden sich Fans, die tatsächlich behaupten, Rassismus wäre eine Meinung, es wäre absolut in Ordnung gegen Asylbewerber zu hetzen, weil es doch „nur eine Meinung“ sei und die von einer klaren Absage an Rassismus durch J.B.O. überrascht wurden. Hallo? Bei J.B.O.? Der Band in pink/rosa? Bei einer Band mit Textzeilen wie…

Eigentlich wollen wir gar nicht dieses Land regier’n,
Doch gerne würden wir da mal was ausprobier’n:
Alle Radikalen von der Menge subtrahier’n,
Die Nazis könnten sich den Hass an die Glatze schmier’n
Jeder, der brüllt: „Wir geben kein Asyl!“
Wird zum Nordpol verbannt – lebenslanges Exil
Kein Faschis- und Rassismus mehr in diesem Volk
Und ‘ne neue Flagge, nämlich Schwarz-Rosa-Gold.

Klar, eine Band kann sich ihre Fans nicht aussuchen, aber J.B.O. haben doch immer klar und deutlich gesagt und gesungen, dass sie nun absolut gar nichts mit Menschenhass am Hut haben, egal ob es um Hass aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Sexualität, Glauben… geht.

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Und dann gibt es da Menschen, die sich als Fans bezeichnen und ernsthaft behaupten, dass Rassismus doch nur eine Meinung wäre, wer etwas anderes sagt wäre „minderwertiges Volk“, Typen, die ein zusammenhangloses „Nationalstolz ist kein Verbrechen“ in die Kommentare brechen und auch der Klassiker fehlte nicht: Man würde wegen vom Mainstream abweichender Meinungen als Nazi abgestempelt.
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Da sind Menschen darunter, die wirklich überzeugt sind, sie wären keine Rassisten, obwohl sie in einer Tour durch rassistische Kommentare absondern. Die halten es nicht für rassistisch, wenn sie von „Asylschmarotzern“ schreiben, wenn sie verlangen, man solle „das Dreckspack abschieben“ oder sie irgendwelche Propaganda-Märchen weiter erzählen, wie das von den Asylbewerbern, die mehr Geld bekämen als Hartz4-Empfänger. Die schreiben solche Sachen und sind gleichzeitig felsenfest davon überzeugt, dass sie nicht rassistisch wären. Weil sie sind ja überzeugt, nur ihre Meinung zu äußern. Die mag zwar rassistisch klingen, aber echter Rassismus wäre es ja erst, wenn sie mit dem Molotowcocktail vor einer Flüchtlingsunterkunft stehen oder mit einem Baseballschläger hinter einem Asylbewerber her rennen würden. Zumindest muss ein Gedankengang in dieser Art irgendwo zwischen deren Ohren stattfinden.

Es mag sein, dass Facebook bei Hasskommentaren, bei offenem Rassismus und so einem Mist nicht oder nur unzureichend reagiert – ich für meinen Teil werde es weiter so handhaben, wie ich es angekündigt habe:

Meinungsfreiheit ist wichtig, keine Frage, aber sie hat Grenzen. Für die Plattformen, auf denen ich das zu entscheiden habe gilt: rechtsextreme und ausländerfeindliche Parolen werden ohne Warnung gelöscht, der Urheber wird gelöscht bzw. geblockt. Wer rechtsextreme Propaganda-Lügen verbreitet, dem ergeht es genau so. Das Verbreiten von rechtsxtremer Kackscheiße hat nichts mit dem Äußern einer Meinung zu tun! Man kann Meinungen äußern, ohne fremdenfeindliche Sprüche, ohne Angriffe auf Menschen usw.

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