Schauen wir dem Volk doch mal ins Schlafzimmer

Schauen wir dem Volk doch mal ins Schlafzimmer

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass es heute noch Staaten gibt, die meinen, es ginge sie irgendwas an, was erwachsene Menschen im gegenseitigen Einverständnis miteinander tun oder nicht tun. Und dabei sind es nicht mal nur Diktaturen, das könnte man vielleicht noch irgendwie nachvollziehen. In Michigan soll jetzt tatsächlich ein altes Anti-Analsex-Gesetz neu aufgelegt werden. Angeblich zum Schutz der Tiere, nur dummerweise umfasst das Gesetz auch den Analsex zwischen Menschen. Ändern will man das nicht, schließlich müssten ja die Tiere geschützt werden.

Der Gesetzesentwurf besagt, dass es ein Verbrechen sei „den verwerflichen und abscheulichen Frevel gegen die Natur zu begehen, mit einem Menschen oder mit einem Tier“ Analsex zu haben.

WTF?! Sind die noch ganz sauber? Was geht es den Staat denn bitte an, wenn erwachsene Bürger miteinander Analsex haben? Genau. Gar nichts. Wie soll so was auch kontrolliert werden? Aber hey, nicht nur in den USA kommt man auf solche Ideen. Die geplante gesetzliche Kondompflicht für Prostituierte und Freier in Deutschland ist ähnlich bescheuert. Klar, Kondome schützen vor einigen Krankheiten und gerade im Bereich professioneller Sex-Dienstleistungen sollte alleine schon die Vernunft jeden Beteiligten dazu bringen Gummis zu verwenden. Absolut richtig und sinnvoll. Aber wie soll so eine gesetzliche Vorschrift denn bitte kontrolliert werden? Test-Freier vom Ordnungsamt oder was? Sinnvoller wäre es meiner Meinung nach, mal zu überprüfen ob die Definition einer Vergewaltigung noch zeitgemäß ist. Ich habe da so meine Zweifel, wenn es Urteile gibt, die das Vorliegen einer Vergewaltigung verneinen, weil das Opfer zu wenig Widerstand geleistet habe.

Aber wenigstens hat man bei der Kondompflicht noch einen sinnvollen Hintergrund, auch wenn die Einhaltung kaum zu kontrollieren sein wird. In Michigan dagegen kann man wohl getrost davon ausgehen, dass das gesetzliche Verbot von Analverkehr wohl reiner Homophobie entsprungen sein dürfte (ungeachtet der Tatsache, dass durchaus auch heterosexuelle Menschen Analsex haben) – erst Recht bei dieser dämlichen Begründung, es ginge um den Schutz der Tiere. Bleibt zu hoffen, dass das Gesetz noch geändert und ähnliche Gesetze, die sich in den denkbar intimsten Bereich des Lebens einmischen, endlich komplett gestrichen werden – nicht nur in Michigan. Es wird Zeit im 21. Jahrhundert anzukommen. Es geht einen Staat einfach nichts an, ob, wie häufig und mit wem seine Bürger welchen Sex haben – so lange dieser einvernehmlich zwischen Erwachsenen stattfindet.

Artikelbild: Pixabay, CC0

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