Satire müssen immer nur die anderen ertragen

Das mit der Satire ist so ein Ding. Viele Menschen verstehen Satire nicht oder denken, Satire müsse grundsätzlich lustig sein und weh tun dürfe Satire natürlich auch nicht, zumindest einem selbst nicht. Wenn sich andere durch Satire beleidigt fühlen, die einem selbst gefällt, dann ist man sofort mit der Kunst- und Satirefreiheit zur Stelle. „Satire darf alles“ wird dann gerufen, dabei meint man aber doch nur „Satire darf dann alles, wenn ich mich nicht betroffen fühle“.

Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die Übertreibung. In der älteren Bedeutung des Begriffs war Satire lediglich eine Spottdichtung, die Zustände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisiert. Historische Bezeichnungen sind auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete satirische Schmähschrift).Wikipedia

Nun hatte der Schockwellenreiter Jörg Kantel bei Facebook im Zusammenhang mit den G20-Krawallen und der darauf folgenden Hexenjagd nach mutmaßlichen Straftätern durch Bild und andere ein paar Sätze raus  gehauen, die ohne weiteres als satirische Auseinandersetzung mit dem Thema durchgehen. Sehr böse, sehr überspitzt vor allem ein Satz und der mag auch geschmacklos sein, aber im Zusammenhang mit der Aufregung über die Krawalle in Hamburg im Vergleich zur Nicht-Aufregung bei den fast täglichen Übergriffen von Rechtsextremen auf Sachen und Menschen, eindeutig eine satirische Überspitzung.

Persönlich empfinde ich den Satz als zu heftig und durchaus auch hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit (vielleicht sogar knapp drüber), andererseits ist es eben Satire und niemand sagt, dass Satire nicht geschmacklos sein dürfe – außerdem soll sie ja treffen und vielleicht sollte ich lieber darüber nachdenken, warum ich den Satz als zu heftig empfinde, statt darüber nachzudenken, dass ich ihn als zu heftig empfinde?

Der Satz um den es geht:

Ein echter Deutscher verbrennt keine Autos. Ein echter Deutscher verbrennt nur Bücher, Kommunisten und Juden.
Schockwellenreiter

Schon hart. Aber die Reaktionen aus manchen Ecken darauf finde ich persönlich noch härter. Da drohte einer meiner Genossen, also ein SPD-Mitglied, mit Strafanzeige, sollte dieses Posting nicht innerhalb einer Frist von knapp einer Stunde gelöscht werden, andere beschimpften Jörg als Nazi, sprachen von Volksverhetzung, drohten ebenfalls mit Anzeigen und wollten selbstverständlich per Meldung dafür sorgen, dass dieser Beitrag gelöscht würde. „Satire darf alles“? Fehlanzeige.

Die diversen Meldungen an Facebook führten nun – wenig bis gar nicht überraschend – dazu, dass der Beitrag von Facebook gelöscht wurde.

Ein echter Deutscher verteidigt Satire immer. Es sei denn, er fühlt sich von dieser irgendwie beleidigt.

Irgendwas läuft doch in den Köpfen sehr vieler Menschen schief und zwar gewaltig. Kann man bei so offensichtlicher Satire nicht einfach mal ruhig durchatmen und die eigene Ge- oder Betroffenheit für einige Minuten hintenan stellen, statt hyperventilierend Menschen zu beschimpfen, mit Anzeigen zu drohen und nach Zensur zu verlangen? Kann man eine Satire, die man selbst als geschmacklos empfindet, nicht trotzdem als Anlass nehmen, mal über den Kern der Aussage nachzudenken? Kann man nicht einfach hinnehmen, das Geschmacklosigkeit per se nicht strafbar ist (Dummheit übrigens auch nicht)?

Ach, und bevor jetzt jemand damit ankommt: Nein, die Aufforderung andere Menschen wegen ihrer Herkunft zu verbrennen, ist keine satirische Übertreibung, das bleibt Hetze, egal wie groß man da Satire dran schreibt. Aus Scheiße wird auch kein Müsli, nur weil man ein Schild rein steckt, auf dem „Müsli“ steht.