Qualitätsjournalismus

Hat etwas gedauert, bis es bei mir angekommen ist – kommt davon, wenn man mit dem Feedreader bei 0 neu startet (hat aber auch Vorteile, wirklich), aber man kann auch heute noch herrlich darüber lachen: Wie ich Freiherr von Guttenberg zu Wilhelm machte.

Um es kurz zu machen: kurz vor der Krönung Ernennung des neuen Wirtschaftsministers wurde sein sowieso schon langer Vorname in der Wikipedia um einen weiteren ergänzt. Bevor noch jemand Zweifel äußert wurde der geänderte Name schon von Journalisten abgeschrieben und landete so u.a. auf der Titelseite der Bild. Und da schließt sich dann der Kreis:

Skeptische Wikipedia-Autoren hatten in der Zwischenzeit Verdacht geschöpft: “Die Namen glaube ich erst mit dezidiertem Einzelnachweis”, schrieb einer von ihnen. Doch der falsche Vorname verschwand nur kurzzeitig aus der Online-Enzyklopädie. Denn der Einzelnachweis war schnell gefunden: Schließlich konnte man ja bei “Spiegel Online” nachlesen, dass sich der Minister selbst so nennt. Weil Journalisten ungeprüft von Wikipedia abschreiben und Wikipedia journalistische Texte als glaubwürdige Quelle betrachtet, wurde der erfundene Vorname schnell zur medialen Wirklichkeit.

Herrlich :) Ist ja nicht wirklich was neues, dass es Journalisten gibt, die ungeprüft aus der Wikipedia abschreiben, aber wie oft fällt so was auf? Mir hin und wieder, wenn ich mal in einem Konzertbericht zu einem J.B.O.-Auftritt lesen darf, dass plötzlich die Originalbesetzung wieder auf der Bühne gewesen sein soll (was seit 2000 nicht mehr passiert ist) oder wenn der Autor detailliert ein Bühnenoutfit beschreibt, das zwar auf dem Foto in der Wikipedia zu sehen war, aber seit Jahren von der Band nicht mehr verwendet wurde… aber das ist dann doch eher amüsant als ein echtes Problem (war wohl jemand zu müde, sich das Konzert wirklich anzuschauen), aber wenn man dann mal so direkt vorgeführt bekommt, dass am Ende doch nur alle irgendwie voneinander abschreiben, dann muss man sich schon fragen, wem man noch glauben soll.

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