NPD entert Piratenschiff (nicht? Oder doch?)

NPD entert Piratenschiff (nicht? Oder doch?)

In Saarbrücken gibt es ein Gastronomie-Schiff, es liegt direkt gegenüber vom Landtag und nennt sich Piraterie. Früher™ war die Piraterie und der Biergarten auch der natürliche Treffpunkt der Piratenpartei in Saarbrücken. Es liegt ja auch so wunderbar zentral. Zwischenzeitlich ist das früher gute Verhältnis zwischen den Gastro- und den Polit-Piraten merklich abgekühlt. Die genauen Hintergründe kenne ich nicht, es gab da ein paar Gerüchte, aber ich habe keine Ahnung, ob es alles nur Missverständnisse waren oder nicht. Ist auch egal. Denn spätestens ab dem 1. September wird sich dort hoffentlich kein Partei-Pirat mehr aufhalten, denn offenbar will  die berühmt-berüchtigte Kneipe „CityTrain“ am Bahnhof auf die Piraterie expandieren.

„CityTrain“? Das war doch was: Genau. Dort trifft sich gerne alles, ab der NPD rechtswärts. Der frühere Generalsekretär der Bundes-NPD Peter Marx feierte dort seinen berühmten Penis-Torten-Geburtstag, der ihm dann wiederum recht viel Ärger in der Partei eingebracht hatte. Es war wohl eine frühere(?) Pornodarstellerin dabei, die in ihrem Job auch einmal Sex mit einem Schwarzen hatte. Skandal! Ist klar, wenn schon Porno, dann aber bitte nur anständig mit weißen, arischen Musterknaben.

Nun wird scheinbar der frühere Stammtreff der Piratenpartei in Saarbrücken zu einem Treffpunkt für die NPD und andere Nazis. Sauber. Und die freuen sich bestimmt wie blöde: Statt einer kleinen Kneipe gegenüber vom Bahnhof, nennen sie ab September ein schönes Gastro-Schiff mit großem Biergarten mitten in Saarbrücken, zwischen Landtag und Staatstheater, gleich um die Ecke vom St. Johannes Markt ihr eigen. Toll, oder? Da kann man dann in Zukunft nicht mal mehr an der Saar spazieren gehen, ohne diesem Pack über den Weg zu laufen. Ich warte auf die erste Flyer-Verteilaktion der Nazis am Spielplatz, der gleich daneben ist. Oder passende Aufkleber, wie „Schaukel nur für arische Kinder“. Andererseits ist bei einigen dieser selbsterklärten arischen Elite ja wohl eher zu erwarten, dass die sich nach dem Besuch der Piraterie noch ein paar Bier auf dem Spielplatz reinkippen und was von den Flaschen übrig bleibt malerisch am Spielplatz verteilen. Sauberkeit und Ordnung? Ach was…

Mir wird schlecht, wenn ich mir vorstelle, dass mitten in Saarbrücken, direkt an der Saar, in einer der schönsten Ecken der Stadt für ein bisschen Erholung in Zukunft ein Nazitreffpunkt sein soll. Was man dagegen tun kann? Vielleicht sollten als erstes Mal interessierte Bürger Kontakt mit dem Besitzer des Schiffes aufnehmen und ihre Meinung zur geplanten neuen Pächterin mitteilen. Oder seitens der Stadt oder des Landtags könnte man das Gespräch suchen, es kann ja weder der Stadt noch dem Land passen, genau an der Stelle einen Nazitreffpunkt zu haben.

Update: Typisch für das Saarland: Man kennt jemanden, der jemanden kennt, der einen kennt… Und so kenne ich jemanden, der jemanden kennt, der den Eigentümer kennt. Und der Eigentümer der Piraterie will den Pachtvertrag jetzt wohl nicht mehr unterschreiben, nachdem ihm bekannt geworden ist, wer da die Piraterie pachten wollte. Ist jetzt natürlich noch keine offizielle Aussage, aber die Quelle dieser Information soll sehr zuverlässig sein. Eine offizielle Bestätigung wäre noch schön.

Update 2: Scheinbar wurde der Pachtvertrag doch schon unterschrieben, das zumindest deutet die Berichterstattung des Saarländischen Rundfunk an. Derweil sind bei Facebook „lustige“ Diskussionen zu beobachten, in denen sich viele Menschen zu Wort melden, die „natürlich keine Rassisten“ sein wollen und auch „nichts gegen Ausländer“ haben wollen, aber doch lieber einen Nazitreffpunkt mitten in Saarbrücken sehen würden, als ständig neue kriminelle Ausländer, die nur hier kommen würden, um der Reihe nach jede einzelne Wohnung in Saarbrücken aufzubrechen. Widerlich.

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