Kotzende Herzen und sprichwörtliche Eier (Update)

Kotzende Herzen und sprichwörtliche Eier (Update)

Erinnert sich noch jemand an diese Geschichte mit einem Buch voller Tweets, die  zusammengesucht und abgedruckt wurden, ohne die Urheber der Tweets zu fragen? Ja, das gab etwas Aufregung. Bei Facebook wurde dieses Geschäftsmodell nun perfektioniert.

Man gründe übernehme eine Gruppe, sagen wir mal „Da kotzt das Texterherz“ und fordert dort die Mitglieder auf entsprechendes Material zu posten. Man formuliert da noch schöne „Nutzungsbedingungen“, die man extern verlinkt. Das stehen dann zum Beispiel Dinge drin wie

Stelle bitte keine Doppel ein – es gibt eine Suchfunktion innerhalb der Gruppe, mit der bereits existierende Texte meistens gefunden werden.
Die Threads werden extra dafür von den Administratoren „getaggt“

Klar, Doppel-Posts erhöhen den Aufwand das Material für das Buch zu sortieren.

Empfehlung: Nur Selbstfotografiertes einstellen!

Auch logisch, da muss man sich später rechtlich nur mit ein paar Facebook-Nutzern auseinander setzen, denen man dann was erklärt von wegen „mit dem Posten bei Facebook hast Du doch alle Rechte abgegeben“, schließlich hält sich dieser Mythos sehr hartnäckig. Oder aber man schreibt in die Nutzungsbedingungen gleich

Wer Bilder postet, muss – sofern diese nicht gemeinfrei sind – die Rechte daran haben, er stellt die Betreiber der Gruppe von jeglicher Haftung frei.

 

Das ist praktisch, man nutzt die Bilder einfach und wenn sie schon unrechtmäßig dort gepostet wurden, dann schiebt man die Verantwortung auf den Poster ab, schließlich heißt es dort ja auch:

Die Betreiber der Gruppe dürfen die eingestellten Beiträge auch anderweitig nutzen.

So aus rein kapitalistischer Sicht ein perfektes Geschäftsmodell: Man muss praktisch nichts investieren außer ein wenig Zeit und bekommt das Material für das „eigen Buch“ frei Haus geliefert. Man muss nur die sprichwörtlichen Eier haben, so was durchzuziehen und den Shitstorm danach auszuhalten. Ist das nicht großartig?

Ich denke, es könnte spannend sein neben dem Thread in der (leider geschlossenen) Gruppe auch die Rezensionen bei Amazon zu verfolgen ;) Und interessant wäre ja auch mal die Frage, inwieweit man als Gründer einer Gruppe auf Facebook eigene Nutzungsbedingungen aufstellen kann, die man einfach per PDF verlinkt. Der normale Facebook-Nutzer würde doch eher davon ausgehen, dass bei Facebook die Facebook-AGB gelten – kann sich mal ein mitlesender Jurist äußern?

Update: Fast vergessen, aber was denkt Ihr, welcher Verlag das Buch veröffentlicht hat? Genau: Riva – ein Schelm wer da an ein System denkt ;)

Update 2: Und schon wird zurück gerudert. Nachdem anfangs noch mit Verweis auf die Nutzungsbedingungen (deren Gültigkeit mindestens fragwürdig ist) alles abgebügelt werden sollte nun dieses Statement:

Liebe Mitglieder von „Da kotzt das Texterherz“,
Wir möchten uns bei euch allen entschuldigen. Wir haben einen großen Fehler gemacht.
Ich habe tatsächlich gedacht, dass ich die Inhalte von euren Posts verwenden kann, weil ihr in unseren Nutzungsbedingungen der anderswertigen Nutzung zugestimmt habt.
Ich habe dem Verlag gegenüber unterschrieben, dass ich alle Rechte an den Bildern und Texten besitze.
Jetzt hat der Verlag mir angedroht, dass er das Buch zurückzieht und einstampft, wenn das nicht stimmt.
Ich möchte euch um etwas bitten: Ich und Edda werden auf jegliches Honorar verzichten und dies einem gemeinnützigen Zweck spenden, den wir hier in der Gruppe festlegen.
Außerdem werde ich jeden Einzelnen persönlich anschreiben, dessen Foto wir im Buch verwendet haben.
Jeder Mitautor erhält 10 Belegeexemplare und eine namentliche Nennung im Buch, wenn er dies wünscht.
Ich kann sehr gut verstehen, dass ihr sauer seid und möchte mich nochmal bei allen entschuldigen.
Natürlich werden wir die Bilder von denjenigen, die nicht damit einverstanden sind, in der Zukunft nicht mehr verwenden.
Vielen Dank für euer Verständnis.

10 Antworten zu “Kotzende Herzen und sprichwörtliche Eier (Update)”

  1. Die Autoren hatten die Gruppe gar nicht gegründet, sondern mit ca. 10.000 Nutzern von den Gründern, die sich aus Zeitnot verabschiedet hatten übernommen.

    Durch die Gruppe, die sich nun überrumpelt und betrogen fühlt, fegt gerade ein Shitstorm durch, der durch Rauswürfe und wüste Beleidigungen beantwortet wird.

    Angesichts dieser Humor- und Respektlosigkeit gegenüber den Rechten anderer bleibt nur die Empfehlung das Buch nicht zu kaufen, sondern sich z.B. auf [Anm.: Link zu einer Domain ohne Inhalt entfernt ;)] die Bildchen kostenfrei anzuschauen.

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