Inzwischen dürfte wohl fast jeder, dessen Blog von adical vermarktet wird das eine oder andere zum Thema Yahoo-Werbung geschrieben. Und egal, was man schreibt – es wird gern als bestenfalls lächerlicher Rechtfertigungsversuch abgetan. Aber muss man sich dafür rechtfertigen? Offensichtlich glauben das viele Blogger und Blogleser. Glaubt mir zwar keiner, aber ich will hier nicht rechtfertigen, warum Werbung für Yahoo hier läuft oder Yahoo verteidigen. Die sind groß genug, die brauchen keinen kleinen Blogger, der sich vor sie stellt. Das ist nur ein Versuch die Frage zu beantworten: “Warum hast Du diesen Werbekunden nicht abgelehnt?”


Bin ich dafür verantwortlich, wer hier auf den Seiten wirbt? Ja. Es sind meine Seiten und egal ob die Anzeigen nun von Google oder adical kommen: am Ende bin ich dafür verantwortlich. Hier gibt es keine eigene Abteilung für den Verkauf von Werbeflächen, Google und adical vermitteln den Platz nur und am Ende habe ich mehr oder weniger viele Möglichkeiten einzelne Werbepartner abzulehnen, im Zweifelsfall komplett auf einen Vermittler zu verzichten.
René hat ja schon geschrieben, dass auch bei Yahoo jeder einzelne gefragt wurde, ob er mit dem Werbekunden in seinem Weblog einverstanden ist und auch ich habe bei Yahoo nicht “Nein, Stop” gerufen, sondern die Werbung angenommen. Warum? Da gibt es viele Vermutungen und Unterstellungen: von Geldgeilheit gepaart mit der völligen Abwesenheit von Gewissen und Moral bis zu Dummheit. Und wer sich seine Meinung bereits gebildet hat, den dürfte es auch nicht interessieren, wie ich es sehe. Egal, es gibt ja auch Leute, denen ich glaube, dass sie wirklich an einer Antwort interessiert sind.
Also, warum habe ich die Yahoo-Werbung trotz der China-Geschichte nicht abgelehnt?

Vor allem war es Gedankenlosigkeit. So einfach: ich habe bei der Frage einfach nicht wirklich nachgedacht. Vielleicht gehörte da auch ein wenig Naivität dazu. Die Naivität zu glauben, dass es offensichtlich wäre, dass das eben nur Werbung ist, nur ein paar vermietete Bannerplätze, so wie es sie auf zig tausend anderen Seiten – die sich aber nicht Weblog nennen – auch ständig gibt. Ja, nur Werbung. Und ich wollte eigentlich auch nicht mehr selber über Werbekunden auf meinen Seiten nachdenken, weil ich einfach der Meinung bin, dass so was immer auch beeinflussen kann. Ich wollte mich gemütlich zurück lehnen, nur noch schreiben, an der Technik basteln und die Werbeflächen sollte dann doch bitte adical verkaufen. Wohl auch ein Stück Verantwortung abgeben. Klar, ist bequemer.

Aber den bequemen Weg gibt es eben nicht. Es war definitiv ein Fehler nicht ernsthaft nachgedacht zu haben. Das heisst nicht, dass ich bei längerem Nachdenken Yahoo als Werbekunden abgelehnt hätte. Wäre leicht das jetzt einfach zu behaupten, aber es wäre gelogen – ich weiss es einfach nicht, wie ich entschieden hätte und irgendwelche Spekulationen darüber bringen auch keinen weiter. Aber eins ist sicher: längeres Nachdenken hätte zu einer echten Entscheidung geführt und egal wie sie ausgefallen wäre, es wäre eben eine bewusst getroffene Entscheidung gewesen. So ist es eben einfach nur das Ergebnis von Gedankenlosigkeit, keine echte Entscheidung, sondern mehr ein “passieren lassen”. Es ist für mich aber deutlich einfacher zu einer bewusst getroffenen Entscheidung zu stehen und die dann auch zu verteidigen als mich hin zu stellen und zugeben zu müssen, dass ich einfach nicht wirklich nachgedacht und die zu dem Zeitpunkt scheinbar bequemste Lösung gewählt habe. Aber nun ist es passiert und eine Folge daraus wird mit Sicherheit sein, dass ich mich beim nächsten Werbekunden daran erinnere und eine bewusste und überlegte Entscheidung dafür oder dagegen treffe.