Keine Expertise ist auch eine Art Expertise?

Sarkasmus auf dem Twitter-Kanal von WELT Wirtschaft? Leider nein, die meinen das tatsächlich und wirklich ernst, wenn sie erzählen, dass Günther Oettinger mit seiner „Expertise für Digitales und Energiepolitik“ eine Idealbesetzung für das Bundeswirtschaftsministerium wäre…

Ehrlich jetzt? Oettinger?

Natürlich stimmt es, dass wir in Deutschland in der Bundesregierung dringend Experten in Sachen Digitalisierung brauchen, aber dann doch bitte Experten, die Ideen haben, wie man das Thema voran bringt und nicht „Experten“, die nur darüber nachdenken, wie sie die Wunschlisten von Presseverlagen und Telekom am besten erfüllen können. Im Falle Oettinger und Digitales könnte man das auch so formulieren:

Ganz abgesehen davon: Wurde Oettinger nicht in der Hoffnung zur EU weg gelobt, dass er dort keinen Schaden anrichten könne? Jetzt hat der Mann bewiesen, dass er auch als EU-Kommissar ordentlich Mist bauen kann und zur Belohnung soll er Minister in Berlin werden?

Haben die bei der CDU in Hinblick auf die kommenden Koalitionsverhandlungen zu viel gekifft? Ich fürchte aber, dass die das wirklich genau so meinen. Oettinger als Experte für Digitalthemen… Sollte das wirklich so kommen, dann dürfen wir uns wohl schon auf das vollständige Ende der Netzneutralität freuen und irgendwelche Sonderabgaben für den Axel Springer Verlag (vielleicht bekommen andere Verlage auch ein paar Cent ab). Der Breitbandausbau wird dann wohl schlagartig erfolgreich abgeschlossen, weil einfach per Definition festgelegt wird, dass alles ab ISDN-Kanalbündelung als Breitband gilt.

Und ich dachte echt, dass es nach der Bundestagswahl nicht mehr viel schlimmer werden könnte…

Posted by Carsten Dobschat