Es muss erlaubt sein zu sagen, dass…

…man Sätze, die mit „Es muss erlaubt sein zu sagen, dass…“ beginnen nicht mehr hören mag. Dieses Gejammer über angebliche Denk- und Sprechverbote, nur weil der Sarrazin für die gequirlte Kacke, die er ablässt entsprechend Gegenwind kassiert ist einfach nur noch lächerlich. Und was letztlich dahinter steckt hat Mario Sixtus sehr schön beschrieben:

Solcherlei Redewendungen sind trickreich und funktionieren erstaunlich oft erstaunlich gut. Ihr Sinn und Zweck: Sie sollen die Empörung des Gegenübers als Reaktion auf den phrasenbegleiteten Schwachfug kanalisieren, umleiten, eintüten, etikettieren und entsorgen. Das ist für den Schwachfugproduzenten äußerst praktisch, da er sich auf diese Weise einer inhaltlichen Debatte entziehen kann.

Wer die „Erlaubt sein zu sagen“- oder „kein Denkverbot“-Floskel vorschickt, unterstellt jedem Widerspruch implizit, ein Rede- oder Denkverbot zu fordern. Wer solche Phrasen nutzt, nimmt quasi die Meinungsfreiheit als Geisel, so wie ein Bankräuber ein Kind vor sich hält, um sich vor Polizeikugeln zu schützen. Wer auf den Schwachfugproduzenten ob dessen Schwachfugproduktion eindrischt, trifft das schützend vorgeschobene Grundrecht und outet sich somit als Gegner der Meinungsfreiheit – so das Kalkül.

Es dürfte natürlich niemanden wundern, dass die BILD sich hier an die Spitze der „Es muss erlaubt sein zu sagen, dass…“-Quatschköpfe stellt und jetzt „für Meinungsfreiheit kämpft“. Da wird einem echt nur schlecht – wie übrigens bei mindestens 25% der Kommentare im Netz, sobald es um Sarrazin geht. Wichtig: Kommentare sollten überlesen werden, wenn sie mit einer der von Mario genannten Phrasen oder alternativ mit „Ich bin nicht einer Meinung mit Sarrazin, aber…“ beginnen. Da kommt echt nix sinnvolles bei rüber.

Meine persönliche Meinung, die zu besitzen ich mir die Freiheit nehme, ist übrigens nicht weit entfernt von dem was Robin Meyer-Lucht bei Carta schreibt:

Ein Bundesbankvorstand, der das Sozialhilfesystem des eigenen Landes “pervers” nennt, der das Staatsoberhaupt eines Partnerlandes “chauvinistisch” nennt und der über die “dysgenische Wirkung” fehlender “Zuchtwahl” und mangelnder “Selektion” fabuliert, der hat die Repräsentationspflichten seines Amtes grob verletzt.

Jetzt habe ich doch was über diesen ganzen Mist geschrieben – muss ja fast sein, sonst wird man am Ende noch von BILD und NPD zum Teil dieser ominösen „schweigenden Mehrheit“ erklärt, die angeblich den kruden Thesen dieses Herrn zustimmen würden… Und das kann nun wirklich keiner wollen.

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