Eine schöne Geschichte

Eine schöne Geschichte

Die Geschichte von Twitter-Nutzerin Tschudith ist eigentlich eine sehr schöne Geschichte. So isoliert betrachtet. Sie hatte sich in einem Tweet „ausgeheult“:

350,- Euro Schullandheim K2,
250,- Schullandheim K1,
200,- Euro Ferienbetreuung K3 und K2. Zahlbar bis nächster Woche. Zugestellt und informiert heute.

Wann ist der richtige Zeitpunkt Ihnen mitzuteilen, dass sie wohl Zuhause bleiben müssen?

Ich möchte weinen.

Die Geschichte kurz zusammengefasst: Sie lässt sich von einer Crowdfunding-Aktion überzeugen, fragt dort nach 750 Euro für ihre Kinder und bekommt inzwischen über 13.000 Euro von irgendwelchen Menschen aus diesem Internet. Ja, auch das ist das Internet – der schöne Teil des Internets.

Was mir an der Geschichte aber schwer zu Knabbern gibt: Warum muss eine alleinerziehende Mutter mit 75%-Stelle so eine Aktion starten, um ihren Kindern Selbstverständlichkeiten wie Schullandheim-Fahrten oder eine Ferienbetreuung zu ermöglichen? Wie war das mit dem Grundgesetz und dem besonderen Schutz von Ehe und Familie? Oder sind Alleinerziehende nicht genug Familie? Gilt „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“ nur für verheiratete Mütter? Und wie erzählen Politiker ständig? Kinder wären unsere Zukunft? Ja warum wird dann nicht ordentlich in unsere Zukunft investiert?

Warum ist es in einem der reichsten Länder der Welt (noch zumindest) nicht möglich, dass sicher gestellt wird, dass wirklich alle Kinder hier einen ordentlichen Start ins Leben bekommen, eine ordentliche Ausbildung und eben auch Dinge wie Schullandheimfahrten? Unser Staat gibt Unmengen von Geld dafür aus, einen Bahnhof zu vergraben oder einen Flughafen Jahre vor der Eröffnung mehrmals zu renovieren, aber für die Zukunft ist nie genug Geld da…

Keine Frage: Ich freue mich für die Kids von Tschudith unbekannterweise, dass sie ihre Fahrten machen können und der Familie in nächster Zeit zumindest einige finanzielle Sorgen abgenommen werden. Aber ich denke eben auch daran, dass Tschudith mit Sicherheit nicht die Einzige in so einer Situation ist und viele andere nicht so viel Glück haben, „vom Internet“  so aufgefangen zu werden. Und das ist einfach nur sehr sehr traurig…

Beitragsfoto von cherylholt via Pixabay (CC0)

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