Die ersten Wochen mit dem iPad

iPad - Foto: 3Gstore.de, unter CC-BY-LizenzCaschy erinnerte mich mit seinem Beitrag zum MacBook Air daran, dass ja doch einige gefragt, ob ich denn nun wirklich mit dem iPad zufrieden sei und wie alles klappt und überhaupt und so. Soll ich es kurz machen? Na dann halt nicht…

Dateihandhabung

Was mir gar nicht gefällt gleich mal am Anfang: Die Handhabung von Dateien ist gruselig – die einen Programme können nur Dropbox und die anderen nur iDisk, wenn überhaupt irgendeine andere Möglichkeit zum Austausch von Dateien besteht als iTunes oder der Versand als Mail. Das ist eine echte Produktivitätsbremse. Es gibt zwar ein paar Möglichkeiten, sich da drum rum zu schleichen, aber es geht nicht immer alles und manchmal wird es einfach idiotisch. Man könnte zum Beispiel auf einem ständig laufenden Rechner die iDisk mit der Dropbox syncen. Aber das wäre nun absolut nicht sinnvoll… Die App Filer ist da eine große Hilfe, kann Dateien lokal und in der Dropbox speichern, anzeigen (so es sich um die vom iOS unterstützten Formate handelt), komprimieren, auspacken und an andere Apps übergeben. Taugt auch für den Download unterwegs – ein URL, der in der Zwischenablage liegt, wird direkt beim Start in die Adresszeile eingefügt, man muss also nur noch „Öffnen“ und los. Wenn das Teil jetzt nun mit der iDisk umgehen könnte…
Mit beiden Diensten (und noch mehr) kann GoodReader umgehen und der beherrscht auch fast alle anderen Funktionen von Filer. Aber in Sachen Downloads ist die App nicht so komfortabel wie Filer.

Kein Jailbreak?

An manchen Stellen machen es einem die iOS-Beschränkungen nicht einfach. Und nein, ein Jailbreak ist für mich derzeit keine Option. Wie schon gesagt, ich wurde öfter mal gefragt, wie gut sich was mit dem iPad arbeiten lässt. Diese Frage kam hauptsächlich von Menschen, die sich eben mit Jailbreaks nicht auseinander setzen wollen (okay, bei machen möchte ich auch vermeiden, dass die einen Jailbreak versuchen, weil ich genau weiss, dass die mich dann nach jedem iOS-Update anrufen würden ;)). Aber schon installiert ist die Beta bzw. inzwischen der Master von iOS 4.2 – sorry, aber alleine die Aussicht auf die Ordner für die Apps verzichten zu müssen, hat mich mindestens 8 Wochen länger vom Experiment iPad abgehalten, als alle anderen Fragen und Zweifel an der Tauglichkeit des Geräts.

Datentarif

Ein wichtiger Grund für das iPad war für mich die 3G-Version. Viele Sachen gehen am iPhone nicht wirklich gut und schnell (wie einen etwas längeren Mailtext zu tippen), aber dafür MacBook auspacken, UMTS-Stick dran… dafür ist oft einfach keine Zeit oder kein Platz, z.B. wenn ich mal wieder am Bahnhof auf einen Zug warte. Mit dem – angeblich nicht mobilen – iPad überhaupt kein Problem: Das ist in 4-60 Sekunden einsatzbereit (hängt nur davon ab, wie schnell ich es aus der Tasche bekomme) und genau so schnell wieder weg gepackt. Perfekt, um auch kurze Wartezeiten sinnvoll zu nutzen – und gesünder als Rauchen. Unschön ist dabei nur, dass ich für das iPad die Zweit-SIM aus dem iPhone-Vertrag nutze, d.h. bei zu viel Traffic pro Monat wird auf ISDN-Geschwindigkeit gedrosselt. Das ist mir für Oktober trotz der recht kurzen iPad-Nutzung sofort wieder gelungen. Die letzte Drosselung hatte ich bei der J.B.O.-Tour im Dezember 2009, bei der wir 5 Tage lang täglich einige Fotos via UMTS hochgeladen hatten. Also wird es langfristig (spätestens bei der nächsten Tour) nicht mehr ohne einen eigenen Datentarif für das iPad gehen. Ich habe noch keine Ahnung, welcher es wird – erst mal genau umschauen und vergleichen (jemand eine Empfehlung).

iPad only

Es gibt inzwischen Dienste, die ich selbst daheim fast ausschließlich über das iPad nutze, zum Beispiel das Lesen der Feeds mit Reeder. NetNewsWire habe ich nicht mehr angefasst – das Bearbeiten und Hinzufügen von Feeds passiert über die Weboberfläche von Google Reader und gelesen wird am iPad. Das macht mit Reeder einfach nur mehr Spaß, ich kann dabei auch mal ein paar Schritte laufen – und Reeder auf dem iPad neben dem Rechner ist einfach schneller gestartet als NetNewsWire (ja, da könnte ein schnellerer Mac helfen, ich weiss :P). Links zu Beiträgen leite ich mir ggf. per Mail weiter oder schiebe sie zu Instapaper, direkt twittern kann ich die auch. Twitter ist auch so eine Sache – fast nur noch am iPad, nur noch das Webinterface läuft hin und wieder am Rechner. Tweetie Mac? Tweetdeck? Liegen immerhin noch auf den Platten der Macs, aber die Frage scheint wohl: Wie lange noch? Bei Facebook ist es nicht ganz so viel, was ich am iPad mache, so lange ich den Rechner in Reichweite habe. Aber mit friendly lässt sich Facebook gut unterwegs nutzen, dank Multi-Account-Fähigkeit muss auch Andrea nicht immer gleich das MacBook auspacken. Und wenn es gar nicht anders geht, wird eben Mobile Safari gestartet (selten). Nur Farmville und andere Flashspiele laufen natürlich nicht (Oooohhhhh wie schade ;)).
Und dann der ganze typische PDA-Kram: Adressen oder Termine raus suchen und eintragen, Aufgabenverwaltung (mit Things), Notizen, das passiert inzwischen fast ausschließlich am iPad. Gerade wenn ich am Mac arbeite und das Telefon klingelt, ist es einfach angenehmer, dass nach dem Telefonat der Arbeitsplatz am Mac immer noch unverändert ist, egal wie viele Telefonnotizen oder Termine ich gemacht habe.

Daheim und unterwegs

Das iPad liegt am Schreibtisch daher immer in Reichweite und alleine dafür war es fast schon sein Geld wert. Dabei erledigt es nichts, was nicht auch mit einem zusätzlichen Net- oder Notebook machbar wäre, aber das iPad nimmt weniger Platz weg, es verschwindet einfach auch mal in der Schublade und die Zeit bis zur Betriebsbereitschaft erreicht höchstens ein neues MacBook Air.

Es dürfte auch keinen überraschen, dass mein iPad nachts auf dem Nachttisch liegt. Dort ist auch das Netzteil untergebracht – der Akku reicht dann den ganzen Tag (übrigens ein ganz gewaltiger Vorteil des iPads). Und es ist auch gemütlicher, die erste Mailbearbeitung des Tages noch im Bett zu erledigen (fehlt nur noch die Kaffeemaschine neben dem Bett) und abends dort noch ein letztes Mal die Feeds zu scannen oder Podcasts zu schauen. Geht zwar auch mit dem iPhone – macht aber mit dem größeren Display des iPad einfach mehr Spaß :)

Unterwegs erledige ich mit dem iPad inzwischen einen sehr großen Teil der Arbeiten, die ich bisher am MacBook erledigt habe. Dazu gehört das Schreiben von Mails und anderen – auch längeren – Texten, wenn es mal wirklich lange Texte werden, dann auch gerne mit Hilfe der Bluetooth Tastatur. SSH geht, auch TeamViewer, VNC oder RDP. Fast alles, was so im Browser passiert sowieso (Ausnahmen bleiben Flash und Java) und auch das Sichten und Uploaden frisch gemachter Konzertfotos lassen sich wunderbar mit dem iPad erledigen. Der Beitrag zu solchen Fotos ist mit der WordPress-App oder dem Webinterface auch schnell geschrieben.

Audio- und Videobearbeitung fallen am iPad dagegen aus, wie alles, was über kleine Bildkorrekturen hinaus geht. Video-Telefonie ist mangels Kamera auch nicht machbar, bislang hält sich aber mein Bedürfnis danach, meine Fresse bei einem Gespräch in eine Kamera zu halten doch in sehr überschaubaren Grenzen. Webprojekte lassen sich auf dem iPad auch (noch) nicht so angenehm bearbeiten, wie mit dem Mac. Dazu sind Zeichen wie „<“ und „>“ auf der Bildschirmtastatur einfach zu sehr versteckt. Mit externer Tastatur geht es dann, aber das wirklich passende Programm (das dann bitte auch SFTP beherrscht und nicht nur FTP) habe ich dafür noch nicht gefunden. Aber die gebauten Seiten lassen sich dafür prima mit dem iPad vorführen. Bei längeren Touren habe ich das MacBook zwar für alle Fälle immer noch dabei, aber in zwei von drei Fällen habe ich es dann aber nicht gebraucht.

Lesen

Ja, man kann mit dem iPad wirklich prima lesen, einzig in der Badewanne verzichte ich dann doch lieber auf das iPad – ist aber nicht weiter schlimm, da ich sowieso lieber dusche. Aber für die jetzt wieder beginnende Zeit der mehr oder weniger regelmäßigen Erkältungsbäder habe ich ja noch mein c’t-Abo und die „Lustigen Taschenbücher“. Wobei ich beim c’t-Abo durchaus auch auf eine gut gemachte elektronische Variante auf dem iPad wechseln würde. iBooks gefällt mir auch, obwohl ich im Falle von PDF-Dateien dann doch lieber GoodReader und in der Dropbox abgelegte Dateien verwende. Ich kann mich (noch) nicht daran gewöhnen, PDFs erst in iTunes zu schmeissen – wäre aber wahrscheinlich sogar sinnvoll…
In Sachen Comics – Comics auf dem iPad sah ich ja schon als letzte Rettung für meine Ehe ;) – ist das iPad für mich inzwischen nicht mehr so interessant. Liegt aber nicht am iPad, sondern an meiner aktuellen Comic-Unlust. Keine Serie, auch oder gerade nicht von DC oder Marvel können mich derzeit wirklich fesseln – aber zumindest die kostenlosen Comics hole ich mir regelmäßig und vielleicht kommt ja doch mal wieder eine Serie, die mich begeistern kann (Und mal ehrlich: Batman Inc.? Das kann doch nur besser werden…).

Fazit

Das iPad macht alles das, was ich von dem Gerät erwartet habe, sogar ein bisschen mehr. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich wirklich so viel Arbeit mit dem iPad erledigen würde und schon gar nicht, dass ich für einzelne Aufgaben zum iPad greifen würde, obwohl ich vor meinem Mac sitze. Es gibt Einschränkungen, aber mit denen hatte ich mich vorher ausführlich beschäftigt und sie wiegen nicht so schwer, wie die Vorteile in Sachen Mobilität, Akkulaufzeit und Geschwindigkeit (nein, nicht die Prozessor-Performance, die Geschwindigkeit, in der ich etwas mit dem Gerät erledigt bekomme). Und nicht ganz unwichtig: Für jemandem in meinem Alter (Oh, der alte Mann erzählt vom Atari-Commodore-Krieg ;)) ist so ein iPad ein Stück Science-Fiction zum Anfassen…

Das iPad-Foto stammt übrigens vom 3Gstore und steht unter einer CC-BY-Lizenz. Und ich muss wohl nicht erwähnen, dass der Text oben fast komplett am iPad geschrieben wurde, oder?

5 Antworten zu “Die ersten Wochen mit dem iPad”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.