Bose QC 35 Headset auf einem „Tisch“ im ICE

Bose QC 35

Es ist erstaunlich, dass ich diese Kopfhörer bzw. dieses Headset jetzt besitze, denn eigentlich spricht einiges aus meiner Sicht ganz gewaltig dagegen. Da wäre zum einen die nicht zu übersehende Tatsache, dass es sich bei den QC 35 um Over-the-ear-Hörer handelt und ich bislang kein Freund von Micky Mouse Ohren war. Und dann der Preis von derzeit rund 350 Euro(*) . Meine persönliche Schmerzgrenze bei Kopfhörern lag bislang bei 150 Euro – und selbst da musste ich mich ein Stück weit überwinden. Aber es ist ja jedes Jahr Weihnachten und in manchen Jahren gibt es die Geschenke früher und so ist es auch in diesem Jahr.

Nach gerade mal zwei Tagen mit dem meinem neuen Headset, frage ich mich, wie ich bisher ohne ausgekommen bin. Zum einen – was natürlich immer extrem wichtig ist – überzeugt mich der Klang. Wirklich großartig. Und zwar bei hohen als eben auch bei niedrigen Lautstärken, die dank des aktiven Noice Cancelling möglich sind. Was für eine phantastische Erfindung! Ich gehöre ja zu den Menschen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln dazu neigen, sich akustisch von der Umwelt abzukoppeln. Tatsächlich ist es mir auch anders kaum möglich Bus und Bahn zu fahren. Menschen können ja so laut sein. Aber selbst mit wirklich nahezu perfekt abdichteten In-Ear-Hörern ist die akustische Grenzziehung ein ständiger Kampf zwischen dem Lärm draussen und dem Lautstärkeregler, der meistens nur unter Einsatz maximaler Feuerkraft, also Lautstärke, gegen en Umgebungslärm entschieden werden kann. Davon bekommt man auf Dauer ähnliche Kopfschmerzen wie vom Umgebungslärm selber, am Ende hat man also nicht viel gewonnen.

Nicht so bei den Bose QC 35: Aufsetzen, Einschalten und die sofortige Reduzierung der Umgebungsgeräusche auf ein abslutes Minimum genießen. Nein, natürlich werden die Ugebungsgeräusche nicht vollständig unterdrückt, aber eben sehr drastisch reduziert. Gerade besonders störende Dauergeräusche wie Lüfter, Fahrtgeräusche im Zug, das Grundgemurmel der vielen Gespräche in Bus und Bahn – weg. Als hätte es sie nie gegeben. Und damit ist der Kampf gegen Umgebungslärm beim Musikhören schon mit 30-50% der Maximallautstärke zu gewinnen statt erst mit Vollgas, womit man die eigenen Ohren schont und auch mittel- bis langfristig Kopfschmerzen vermeidet.

Und ja klar, ich weiß: „Ey, das muss man laut hören!“ Stimmt schon irgendwie, aber ganz ehrlich, ich bin auch nicht mehr so jung und sowieso schon überrascht, dass mein Gehör noch noch so gut ist, wie es ist – da darf ich dann schon auch anfangen, es ein wenig zu schonen.

Was den Tragekomfort angeht bin ich sehr positiv überrascht. Die meisten Over-the-Ear-Hörer, die ich bislang hatte, zeichneten sich dadurch aus, dass sie rumrutschten, zu schwer waren und es sich eben die ganze Zeit anfühlte, als hätte man da irgendwas auf dem Kopf. Okay, hat man ja auch. Aber es geht auch anders. Die Bose QC 35 rutschen nicht, sitzen fast perfekt – trotz Brille – über den Ohren, ich bemerke sie zwar, aber sie stören nicht und auch nach mehreren Stunden ändert sich das nicht.

Bose QC 35 Headset auf einem „Tisch“ im ICE

Im Zug besonders nützlich: Bose QC 35

Die Bedienung über die Knöpfe an der rechten Seite funktioniert einwandfrei und die Knöpfe sind auch so angebracht und ausgeformt, dass man nicht wie blöde rumtastet, sondern sie sofort erwischt und zuordnen kann (ich kenne da Gegenbeispiele anderer Hersteller, bei denen man sich fragen muss, ob die Entwickler ihre eigenen Hörer jemals im Einsatz hatten). Wenn der Akku – 20 Stunden soll er bei Bluetooth-Verbindung halten – mal länger halten soll oder man Verbindung zu einem Gerät ohne Bluetooth sucht, dann kann man auch ein Kabel (Klinke auf Klinke) verwenden. Damit soll der Akku gleich mal doppelt so lang halten.

Apropos Bluetooth: Bis zu 8 Verbindungen merkt sich der Hörer und zwei davon kann er auch gleichzeitig aktiv bedienen. Das klingt erstmal ganz gut, in der Praxis ist das aber nicht ganz ohne Probleme. Die Idee am iMac Musik zu hören mit dem Hörer und ggf. eingehende Telefonate direkt vom iPhone aus zu führen ist charmant, scheitert aber daran, dass ein während eines Telefonats vom Rechner kommender Ton – zum Beispiel der Systemton einer eingehenden Mail – entweder den Hörer oder das iPhone dazu bringt, die Tonausgabe des Gesprächs weg vom Headset zurück auf das Telefonat zu schalten. Bei Gelegenheit werde ich mal testen, ob es am Hörer liegt oder an iOS.

Und was mich tatsächlich so richtig stört: Das Aufladen per USB-Kabel ist eine praktische Sache, aber man kann den Kopfhörer nicht gleichzeitig laden und verwenden. Geht nicht. Zwar ist das bei einer Akkulaufzeit von 20 Stunden (bzw. 40 Stunden mit Kabel) jetzt nicht unbedingt ein KO-Kriterium, aber schöner wäre es halt, wenn man im Falle eines Falles sowohl Telefon als auch den Hörer per USB an die Powerbank klemmen und eben trotzdem weiter Musik hören könnte. Und das mit der Laufzeit muss zumindest mein Exemplar hier erst einmal beweisen 😉

Aber mal Fazit: Normalerweise hätte ich mir alleine schon wegen des Preises den QC 35 wohl nie gekauft, aber nachdem ich ihn jetzt habe, will ich ihn nicht mehr hergeben und ich fürchte, dass ich – wenn er mal den Geist aufgegen sollte – beim nächsten Kopfhörerkauf dann doch in den Preisklassen unterwegs sein werde. Sony hat da gerad einen vorgestellt, bei dem man die Geräuschunterdrückung temporär abschalten kann, indem man einfach die Hand über den rechten Hörer hält – so was wäre noch fein, falls man verstehen möchte, was der Mensch da sagt, der einen gerade anspricht. Ach ja und ein entsprechendes System für die Nase wäre noch schön. Man glaubt es nicht, was für Gerüche manche Menschen absondern können…

Auf jeden Fall verstehe ich jetzt ohne jede Einschränkung, warum Sascha den QC 35 mit so viel Lob und Superlativen überschüttet hat 🙂

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