Bärendienst

Bärendienst

Als wären die Ereignisse der Silvesternacht in Köln nicht so schon schlimm genug, nein, jetzt steht auch noch der Verdacht im Raum, dass die Polizeiführung hier möglicherweise gelogen haben könnte. Was die Motivation angeht liegt natürlich der Verdacht nahe, dass man versucht haben könnte, eine mögliche Beteiligung von Flüchtlingen zu verschweigen bzw. zu leugnen, um die bereits aufgeheizte Stimmung gegen Flüchtlinge nicht noch weiter anzuheizen… Das wäre dann wohl ein klassischer Fall von „Bärendienst“ :( 

Von offizieller Seite war zu hören, man könnte die Beteiligung von Flüchtlingen an den Übergriffen zumindest nicht bestätigen – laut den Quellen der Welt bei der Polizei soll das aber eine Lüge sein. Wenn diese Quellen Recht haben, dann wäre die Beteiligung von Asylbewerbern schon in der Nacht klar erwiesen gewesen oder zumindest ein nicht zu leugnender Verdacht. So sollen einige der vor Ort kontrollierten Personen Dokumente vorgelegt haben, die Asylbewerber bekommen. Wobei Dokumente hier ein Begriff ist, der vielleicht mehr suggeriert, als wirklich dahinter steckt: Beim Stellen eines Asylantrags erhalten die Bewerber eine Kopie ihres Asylantrags und eine Kopie ihres Fotos. Für mich klingt das nun nicht nach fälschungssicheren Ausweisdokumenten.

Und da sind wir dann auch schon bei den Lücken, die irgendwie beide Darstellungen aufweisen, sowohl die offizielle als auch die der Quellen der Welt. Überall gibt es Dinge, die nicht so recht passen. Zum Beispiel das auch bei Spiegel Online gebrachte, angebliche Zitat eines der Verdächtigen der Nacht: „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen“. Ehrlich? So dämlich kann doch keiner sein, zu glauben mit so einem Spruch eine „Ich komme aus dem Gefängnis frei“-Karte gezogen zu haben – mal abgesehen davon, dass das irgendwie nach zu gutem Deutsch für einen erst kürzlich hier angekommenen Flüchtling klingt. Aber egal, es kann natürlich auch sein, dass jemand echt so dämlich ist und diesen einen Satz als „Ich komme aus dem Gefängnis frei“-Karte gelernt hat, diese Möglichkeit will ich gar nicht bestreiten. Aber es gibt ja auch eine andere Möglichkeit: Möglicherweise waren es doch keine Flüchtlinge, sondern Menschen mit Migrationshintergrund, die schon länger in Deutschland sind, die sich aber als Flüchtlinge ausgegeben haben. Ist ja nun nicht so schwer, wenn sich Flüchtlinge nur mit kopierten Papieren ausweisen.

Und genau das ist das Problem: Es gibt jede Menge Berichte, Aussagen, Gerüchte… aber kaum gesicherte Informationen. Und alleine die Möglichkeit, dass offizielle Stellen gelogen haben könnten ist natürlich reichlich Wasser auf den Mühlen der rechten Hetzer (und da kippen die gerade auch noch kräftig Dreck drauf). Denen war ja auch die „verspätete“ Berichterstattung einiger Medien schon Beweis genug für ihre Vorwürfe gegen die „gleichgeschaltete Lügenpresse“. Dabei ist diese „Verspätung“ natürlich durchaus logisch, wenn man bedenkt, dass diese Medien eben nicht aufgrund von Gerüchten und Facebook-Postings, sondern erst aufgrund gesicherter oder zumindest von entsprechend glaubwürdigen Quellen bestätigter Informationen berichtet haben. Für die einen ist das eine „verspätete Berichterstattung der gleichgeschalteten Lügenpresse“, für andere eben „journalistische Sorgfalt“. Und am Ende wissen viele eben gar nicht mehr, was sie noch glauben sollen.

Und dann die Diskussion über die Übergriffe selbst. Unbestritten handelte es sich bei den Tätern um Männer aus anderen Kulturkreisen, ob nun mit nordafrikanischen oder arabischen Wurzeln ist dabei zweitrangig. Aber ganz schnell wird so getan, als wären sexuelle Übergriffe gegen Frauen allein ein Problem dieser Kulturkreise, welches diese Männer zu uns gebracht hätten. Das ist natürlich ein riesiger Bullshit, wie man schnell sehen kann, wenn man sich die Statistiken anschaut oder auch die Berichte von anderen Gelegenheiten, bei denen große Massen von Menschen zusammen kommen. Immer wieder wurde hier das Oktoberfest als Beispiel genannt oder auch der Karneval. Es ist nun mal eine Tatsache, dass wir bei der Achtung der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen nicht ganz so vorbildlich dastehen, wie es einige derzeit darstellen und wie man es sich wünschen möchte.

Wer nun aber auf solche Tatsachen hinweist oder auf die einfache Tatsache, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in dem es keine Sippenhaft gibt oder wer es wagt, die derzeit immer heftigere rassistische Hetze und die dahingehende Vereinnahmung der Vorfälle zu kritisieren, der darf sich dann vorn verschiedenen Seiten direkt anhören, man würde die Verbrechen von Köln verharmlosen.

Aber niemand will verharmlosen was dort passiert ist! Es waren widerwärtige, bösartige, nicht hinzunehmende und absolut unentschuldbare Verbrechen. Punkt. Da gibt es nichts zu diskutieren, nichts zu relativieren und nichts zu entschuldigen. Wieder Punkt. Und verantwortlich für diese Verbrechen sind die Täter. Sonst niemand. Wieder ein Punkt. Nicht deren Landsleute, nicht alle Flüchtlinge, nicht alle Immigranten, nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund, nicht alle Männer und schon gar nicht die Opfer (was bei solchen Verbrechen ja leider auch immer wieder gerne mal angedeutet oder sogar deutlich behauptet wird), sondern nur die Täter. Eine gewisse Mitschuld könnte man vielleicht noch den anwesenden Personen geben, die zwar nicht an den Übergriffen beteiligt waren, aber auch nichts dagegen unternommen haben. Aber auch nur diesen Personen und niemandem sonst.

Das ist der Punkt: Es gibt keine Sippenhaft! Wer jetzt anfängt aufgrund dieser Verbrechen darüber zu diskutieren, ob es spezielle „Wie behandle ich Frauen“-Kurse für Flüchtlinge und Einwanderer aus bestimmten Ländern oder Kulturkreisen bräuchte, der vergisst das. Egal wer in diesem Land lebt, leben möchte oder sich nur vorübergehend hier aufhält, es gelten für alle die gleichen Regeln und die sind durch unsere Gesetze festgelegt. Und es ist alleine Sache des Staates, diejenigen mit den Mitteln des Rechtsstaates zu verfolgen und zu bestrafen, die sich nicht an die Gesetze halten. Und das gilt für jeden ohne Ausnahme, ohne Vergünstigungen und ohne Benachteiligungen, egal woher jemand kommt. Traurig genug, dass man das immer und immer wieder betonen muss.

Und es kotzt mich gewaltig an, dass jetzt tatsächlich die Möglichkeit im Raum steht, dass in diesem Fall einige Verantwortliche durch unverantwortliches Handeln den Hetzern neue Munition liefern. Ja, ich meine die Führung der Polizei und die politisch verantwortlichen Personen, die möglicherweise gelogen haben. Mag sein, dass sie das aus den besten Motiven heraus getan haben, weil sie vielleicht glaubten, die Stimmung in diesem Land in Sachen Flüchtlinge wäre schon schlimm genug und würde sich durch die Wahrheit noch verschlimmern – aber das macht es noch lange nicht richtig. Denn wenn es sich als wahr heraus stellen sollte – und ich bin mir sehr sicher, dass die Wahrheit ans Licht kommt, hier vertraue ich unserem Rechtsstaat, der Presse und der simplen Tatsache, dass es einfach zu viele Beteiligte und Zeugen gibt – dann war das ein klassischer Fall von Bärendienst und muss Konsequenzen haben. Personelle Konsequenzen. Rücktritte!

Und übrigens: Es wäre vielleicht auch mal an der Zeit zu akzeptieren, dass sich die öffentliche Sicherheit mit Kameras statt Polizisten nicht aufrecht erhalten lässt. Seit Jahren wird bei der Polizei immer mehr gespart, auf der anderen Seite werden immer mehr Kameras aufgehängt und was bringen die für die Sicherheit? Nichts. Viel zu oft taugen sie nicht mal zur Aufklärung von Ereignissen, die sich direkt davor abgespielt haben. Polizisten vor Ort können im Falle eines stattfindenden Verbrechens einschreiten, aktiv werden – eine verdammte Kamera hängt nur rum. Es mag seltsam klingen, wenn ausgerechnet ich linksgrün-versiffte Gutmenschengestalt so etwas sage, aber wir brauchen ganz offensichtlich mehr Polizisten in diesem Land (und besser ausgebildete und mehr von der Sorte, die ihren Job ernst nehmen usw. – aber das im Detail anzugehen würde jetzt zu weit führen).

Beitragsfoto: Hans via pixabay.com, Lizenz: CC0 Public Domain

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